Elektroinstallation im Altbau erneuern
Stoffummantelte Leitungen, kein Schutzleiter, kein FI: In Kölner Altbauten ist das keine Seltenheit. Was davon gefährlich ist, was warten kann und was es ungefähr kostet.
Stand 18. Oktober 2026 · Lesezeit 7 Minuten
Drei Anzeichen, dass die Anlage dran ist
Nicht jede alte Installation ist gefährlich, aber ein paar Dinge sind deutliche Signale. Erstens: Es gibt keinen FI-Schutzschalter im Verteiler. Er ist das Bauteil, das im Fehlerfall den Strom abschaltet, bevor er durch einen Menschen fließt. Zweitens: Steckdosen ohne Schutzkontakt, also die alten zweipoligen. Drittens: Schraubsicherungen im Keller und ein Verteiler, in dem seit Jahrzehnten nichts beschriftet wurde.
Dazu kommt ein praktisches Signal: Wenn in deiner Wohnung drei Zimmer an einer Sicherung hängen und der Wasserkocher das Licht flackern lässt, ist die Anlage für heutige Nutzung schlicht zu knapp ausgelegt. Das ist kein Defekt, aber der Grund, warum eine Erweiterung ohne Erneuerung oft nicht erlaubt ist.
Was es ungefähr kostet
Ratgeberportale nennen für eine komplette Erneuerung in einer Wohnung Richtwerte von etwa 100 bis 200 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, für eine 100-Quadratmeter-Wohnung also ungefähr 9.000 bis 15.000 Euro. Stundensätze für Elektrobetriebe werden mit etwa 55 bis 85 Euro netto angegeben. Das sind öffentlich zugängliche Orientierungswerte, keine Angebote; im Altbau hängt die tatsächliche Summe stark davon ab, was hinter der Wand auftaucht.
Deutlich günstiger wird es, wenn nicht alles erneuert werden muss. Ein neuer Zählerschrank mit FI, dazu zwei oder drei zusätzliche Stromkreise für Küche und Arbeitsplatz, bringt den größten Sicherheits- und Komfortgewinn und kostet einen Bruchteil einer Vollsanierung. Frag deinen Betrieb ausdrücklich nach dieser Zwischenstufe.
Die Reihenfolge, die Geld spart
Elektroarbeiten hinterlassen Schlitze in Wänden und Decken. Wer sie nach dem Streichen machen lässt, zahlt den Maler zweimal. Die sinnvolle Reihenfolge in einer Wohnung sieht deshalb fast immer so aus:
- Planen: Wo soll welche Dose, welcher Schalter, welches Licht sitzen? Am besten mit Zollstock durch die leere Wohnung.
- Elektro: Leitungen ziehen, Dosen setzen, Verteiler erneuern.
- Verputzen und Spachteln: Schlitze schließen, Flächen herrichten.
- Maler: Streichen, wenn alles geschlossen und trocken ist.
- Boden: zuletzt, damit niemand mehr darauf arbeitet.
Altbau ohne Abriss: die schonenden Wege
In Vierteln wie Sülz oder Nippes steht in vielen Wohnungen Stuck an der Decke und eine Diele am Boden. Beides lässt sich erhalten. Leitungen können in Sockelkanälen laufen, im Fußbodenaufbau verlegt oder hinter leichten Vorsatzschalen geführt werden. Das ist nicht immer billiger als Stemmen, aber es rettet Substanz, die sich später nicht ersetzen lässt.
Sag im Auftrag ausdrücklich, dass Stuck, Dielen oder historische Türen erhalten bleiben sollen. Betriebe, die regelmäßig im Altbau arbeiten, planen dann von vornherein anders und kalkulieren die Mehrarbeit ein, statt vor Ort improvisieren zu müssen.
Was du vor der Anfrage zusammenstellst
Drei Angaben machen jede Rückmeldung belastbarer: das Baujahr des Hauses, ein Foto des geöffneten Zählerschranks und eine Liste dessen, was konkret passieren soll. Wenn in den nächsten Jahren noch eine Wallbox, eine Wärmepumpe oder eine Photovoltaikanlage dazukommen soll, gehört das ebenfalls in die Anfrage, denn es entscheidet über die Größe des Verteilers.
Für Mieter gilt: Arbeiten in der Wohnung sind meist möglich, alles am Hausnetz und am Zählerschrank gehört dem Eigentümer. Schreib deine Rolle in den Auftrag, dann weiß der Betrieb sofort, mit wem er die Freigabe klärt.
Häufige Fragen
- Muss ich die Wohnung während der Arbeiten räumen?
- Komplett selten. Üblich ist, raumweise zu arbeiten und Möbel zu verrücken und abzudecken. Rechne aber mit Staub und damit, dass einzelne Stromkreise zeitweise abgeschaltet sind.
- Reicht es, nur einen FI nachzurüsten?
- Oft ja, und es ist der größte Sicherheitsgewinn pro Euro. Ob es technisch geht, hängt vom vorhandenen Verteiler und davon ab, ob ein Schutzleiter vorhanden ist. Das klärt ein Betrieb mit einem Blick in den Kasten und einer Messung.
- Wer meldet die Wallbox beim Netzbetreiber an?
- Das übernimmt der Elektrofachbetrieb. Anmeldepflichtig sind Ladeeinrichtungen grundsätzlich, ab einer bestimmten Leistung ist zusätzlich eine Zustimmung nötig. Dein Betrieb kennt die aktuellen Schwellen und erledigt die Meldung.
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